Keine Angst mehr beim Thema Digitalisierung

16. September 2019


Am Thema Digitalisierung kommt kein Unternehmen vorbei. Die Frage stellt sich nur, was konkret getan werden muss und wie? Hier unterstützt das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Saarbrücken (KomZetSaar) die kleinen und mittleren Betriebe in der Identifikation von konkreten Umsetzungsmaßnahmen. Als Partner mit dabei ist auch saaris, neben dem ZeMA und dem August-Wilhelm Scheer Institut (AWSi). Auch die ISL Automotive GmbH in Saarlouis hat sich beraten lassen.

Wir sprachen mit Leenhard Hörauf, Gruppenleiter Montagesystemtechnik und Anlagenplanung im ZeMA, und Hans-Gerhard Wegner, Geschäftsführer der ISL Automotive GmbH.

 

saaris/impuls: Herr Wegner, was macht ISL im Werk Saarlouis?

Hans-Gerhard Wegner: Wir sind ein mittelständischer Dienstleister, der sowohl im Bereich Industrie als auch Systemlogistik tätig ist. Im Supplier Park in Saarlouis findet die Vormontage von Windschutzscheiben, Türinnenverkleidungen und Mittelkonsolen für den Automobilhersteller Ford statt.

 

saaris/impuls: Was motiviert Sie, die Digitalisierung in einem größeren Ausmaß anzugehen?

Hans-Gerhard Wegner: Zunehmender Wettbewerb bedingt durch die Globalisierung und ergonomisch ungünstige Arbeitsplätze. Für diese beiden Probleme bietet der Einsatz von Robotersystemen Lösungen. Gemeinsam mit den Spezialisten des ZeMA entwickelten wir Ideen, wie Mensch und Roboter zusammen effizienter werden.

 

saaris/impuls: Herr Hörauf, wie sind Sie vorgegangen?

Leenhard Hörauf: Wir haben uns die Prozesse im Unternehmen gemeinsam angeschaut. „Was führt der Mensch bisher manuell aus? Was könnte automatisiert werden? Wo kann der Mensch vom Roboter unterstützt werden?“ waren Fragen, die wir uns stellten. Bei einem zweiten Treffen stellten wir im ZeMA unterschiedliche Möglichkeiten bereits realisierter Lösungen der Kooperation zwischen Mensch und Roboter vor.

 

saaris/impuls: Herr Wegner, wie kann man sich das vorstellen?

Hans-Gerhard Wegner: Besonders anstrengend und unergonomisch für die Mitarbeiter ist derzeit das Drehen der Windschutzscheiben vor der Vormontage. Durch die Einführung von Robotersystemen und fähigkeitsbasierter Aufgabenaufteilung zwischen Mensch und Roboter können sowohl Produktionsabläufe effizienter gestaltet als auch Mitarbeiter ergonomisch entlastet werden. Im Idealfall arbeitet der Mitarbeiter kontinuierlich und gleichzeitig an mehreren Aufgaben, während der Roboter ihn parallel, und zeitlich optimal abgestimmt, permanent unterstützt. Sozusagen ein Teamwork, ohne dass der eine den anderen stört.

 

saaris/impuls: Herr Hörauf, gibt es nur DIE eine richtige Möglichkeit?

Leenhard Hörauf: Nein, wir haben mit Hilfe von Videoanalysen verschiedene Konzepte erarbeitet, immer unter der Prämisse, wie viele Tätigkeiten maximal und sinnvoll vereinbar sind. Ziel war es, die Wartezeiten kurz und damit die Auslastung hoch zu halten. Für die Umsetzung der zuvor entwickelten Lösungsmöglichkeiten der Prozessaufteilung zwischen Mensch und Roboter bieten sich unserer Meinung nach hybride Montagesysteme an, in denen Roboterstationen mit Handarbeitsplätzen kombiniert werden. Favorit war die Entwicklung einer sogenannten Taktstraße, die zeitlich flexibel, variantenreich und je nach Auftragsvolumen programmierbar ist.

 

saaris/impuls: Herr Wegner, wo sehen Sie die Vorteile?

Hans-Gerhard Wegner: Die oben genannten Herausforderungen sind damit ein gutes Stück gelöst worden. Das entwickelte Konzept entlastet den Mitarbeiter, indem Teile des Handlings der Scheibe von automatisierten Betriebsmitteln übernommen werden. Der Mitarbeiter übernimmt weiterhin die Aufgaben, die für einen Roboter ungeeignet sind und bleibt so in seinem gewohnten Arbeitsumfeld tätig. Gleichzeitig können wir die Effizienz damit erheblich erhöhen.


Ansprechpartner

Sabine Betzholz-Schlüter

Mittelstand 4.0/ Digitalisierung

Tel.: 0681 9520-474

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: sabine.betzholz-schlueter@saaris.de

v. l. Karsten Kattla, Ralf Mühlhausen, Gerhard Wegner (alle ISL), Tobias Masiak, Julian Koch (beide ZeMA)